Inhaltsverzeichnis
- Was ist die Franchise?
- Franchisestufen für Erwachsene
- Franchisestufen für Kinder
- Selbstbehalt — die zweite Kostenkomponente
- Maximale Kostenbeteiligung berechnen
- Break-even-Analyse: Wann lohnt sich welche Franchise?
- Praxisbeispiele und Berechnungen
- Die richtige Franchise-Strategie
- Franchise ändern — so geht es
- Häufige Fehler vermeiden
1. Was ist die Franchise?
Die Franchise ist der jährliche Selbstbeteiligungsbetrag in der Schweizer Grundversicherung. Konkret bedeutet das: Sie bezahlen Ihre Arzt- und Spitalrechnungen selbst, bis die gewählte Franchise-Summe erreicht ist. Erst danach übernimmt die Krankenkasse die Kosten — abzüglich des Selbstbehalts von 10 %.
Die Franchise gilt pro Kalenderjahr und wird jeweils am 1. Januar zurückgesetzt. Nicht beanspruchte Franchisebeträge verfallen — sie werden nicht ins nächste Jahr übertragen. Die Franchise betrifft ausschliesslich die Grundversicherung (OKP); Zusatzversicherungen haben eigene Kostenregelungen.
Der grundlegende Zusammenhang lautet: Höhere Franchise = tiefere Prämie. Wer bereit ist, im Krankheitsfall mehr selbst zu zahlen, wird mit niedrigeren Monatsprämien belohnt. Die Differenz kann erheblich sein und mehrere hundert Franken pro Jahr betragen.
2. Franchisestufen für Erwachsene
Erwachsene ab 26 Jahren können zwischen sechs gesetzlich festgelegten Franchisestufen wählen:
| Franchise | Prämie (Tendenz) | Geeignet für | Max. Kostenbeteiligung* |
|---|---|---|---|
| CHF 300 | Am höchsten | Häufige Arztbesuche, chronisch Kranke | CHF 1'000 |
| CHF 500 | Hoch | Regelmässige Arztbesuche | CHF 1'200 |
| CHF 1'000 | Mittel | Gelegentliche Behandlungen | CHF 1'700 |
| CHF 1'500 | Unter Mittel | Seltene Arztbesuche | CHF 2'200 |
| CHF 2'000 | Tief | Sehr selten krank | CHF 2'700 |
| CHF 2'500 | Am tiefsten | Gesund, selten zum Arzt | CHF 3'200 |
*Maximale Kostenbeteiligung = Franchise + maximaler Selbstbehalt (CHF 700). Ohne Prämien.
3. Franchisestufen für Kinder
Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre gelten separate, niedrigere Franchisestufen. Zudem entfällt bei Kindern die obligatorische Mindestfranchise — die Franchise von CHF 0 ist möglich:
| Franchise Kind | Prämie | Max. Kostenbeteiligung* |
|---|---|---|
| CHF 0 | Am höchsten | CHF 350 |
| CHF 100 | Mittel | CHF 450 |
| CHF 200 | Unter Mittel | CHF 550 |
| CHF 300 | Mittel-Tief | CHF 650 |
| CHF 400 | Tief | CHF 750 |
| CHF 600 | Am tiefsten | CHF 950 |
*Max. Selbstbehalt bei Kindern: CHF 350 pro Jahr.
Bei Familien mit mehreren Kindern gilt: Der maximale Selbstbehalt pro Familie ist auf CHF 1'000 begrenzt (für Kinder). Für die meisten Familien empfiehlt sich bei Kindern eine niedrige Franchise (CHF 0 oder CHF 100), da Kinder häufiger zum Arzt müssen und die Prämienersparnis bei höheren Kinderfranchisen gering ausfällt.
4. Selbstbehalt — die zweite Kostenkomponente
Neben der Franchise zahlen Sie den sogenannten Selbstbehalt: 10 % aller Kosten, die über die Franchise hinausgehen. Der Selbstbehalt ist auf CHF 700 pro Jahr für Erwachsene und CHF 350 für Kinder begrenzt.
Sonderregel bei Medikamenten: Wenn Sie ein Originalpräparat beziehen, für das ein günstigeres Generikum existiert, und Sie trotzdem das Original wünschen, steigt der Selbstbehalt auf 20 % (statt 10 %). Diese Differenzierung soll den Einsatz von Generika fördern und die Gesundheitskosten senken.
Ausnahmen vom Selbstbehalt: Für Schwangerschafts- und Mutterschaftsleistungen entfallen sowohl Franchise als auch Selbstbehalt vollständig (ab der 13. Schwangerschaftswoche). Bestimmte Präventionsleistungen sind ebenfalls befreit.
5. Maximale Kostenbeteiligung berechnen
Die maximale jährliche Kostenbeteiligung (ohne Prämien) ergibt sich aus der einfachen Formel:
Formel
Maximale Kostenbeteiligung = Franchise + maximaler Selbstbehalt
Erwachsene: Franchise + CHF 700
Kinder: Franchise + CHF 350
Bei einer Franchise von CHF 2'500: CHF 2'500 + CHF 700 = CHF 3'200 pro Jahr
Bei einer Franchise von CHF 300: CHF 300 + CHF 700 = CHF 1'000 pro Jahr
Die Differenz der maximalen Kostenbeteiligung zwischen der niedrigsten und der höchsten Franchise beträgt also CHF 2'200 (CHF 3'200 minus CHF 1'000). Diese Zahl ist wichtig, um zu berechnen, ob sich die Prämienersparnis bei der höheren Franchise lohnt.
6. Break-even-Analyse: Wann lohnt sich welche Franchise?
Die entscheidende Frage lautet: Ab welchen jährlichen Gesundheitskosten wird eine tiefere Franchise günstiger als eine hohe? Dazu vergleichen wir die Gesamtkosten (Prämien + Kostenbeteiligung) der beiden Extreme.
Annahme: Die Prämienersparnis bei CHF 2'500 Franchise gegenüber CHF 300 Franchise beträgt CHF 1'800 pro Jahr (CHF 150 pro Monat). Dieser Betrag variiert je nach Kasse und Kanton — vergleichen Sie die konkreten Zahlen auf krankenkasse-finden.ch.
Szenario A: Gesunde Person, keine Arztbesuche
Franchise 300: CHF 0 Kosten + hohe Prämie
Franchise 2'500: CHF 0 Kosten + tiefe Prämie
Ersparnis mit hoher Franchise: ca. CHF 1'800
Szenario B: Moderate Gesundheitskosten (CHF 3'000)
Franchise 300: CHF 300 + CHF 270 Selbstbehalt = CHF 570 + hohe Prämie
Franchise 2'500: CHF 2'500 + CHF 50 Selbstbehalt = CHF 2'550 + tiefe Prämie
Differenz Kostenbeteiligung: CHF 1'980 zugunsten der tiefen Franchise
Aber: Prämienersparnis von CHF 1'800 gleicht fast aus.
Szenario C: Hohe Gesundheitskosten (CHF 10'000+)
Franchise 300: CHF 300 + CHF 700 = CHF 1'000 + hohe Prämie
Franchise 2'500: CHF 2'500 + CHF 700 = CHF 3'200 + tiefe Prämie
Differenz Kostenbeteiligung: CHF 2'200 zugunsten der tiefen Franchise
Die tiefe Franchise ist CHF 400 günstiger (CHF 2'200 − CHF 1'800).
Faustregel
Wenn Ihre jährlichen Gesundheitskosten regelmässig unter CHF 1'500 liegen, lohnt sich fast immer die höchste Franchise von CHF 2'500. Liegen Ihre Kosten dauerhaft über CHF 4'000 bis CHF 5'000 pro Jahr, ist die Franchise von CHF 300 günstiger. Im Mittelfeld lohnt sich eine individuelle Berechnung.
7. Praxisbeispiele und Berechnungen
Beispiel 1: Student, 23 Jahre, selten krank
Jährliche Gesundheitskosten: ca. CHF 200 (1 Arztbesuch). Prämienersparnis bei Franchise 2'500 vs. 300: CHF 1'680/Jahr.
Empfehlung: Franchise CHF 2'500. Die Prämienersparnis übersteigt das Risiko deutlich. Ersparnis: ca. CHF 1'480 pro Jahr.
Beispiel 2: Familienvater, 42 Jahre, gelegentlich krank
Jährliche Gesundheitskosten: ca. CHF 1'800 (3 Arztbesuche, 1 Physiotherapie). Prämienersparnis bei Franchise 2'500: CHF 1'920/Jahr.
Empfehlung: Franchise CHF 2'500. Trotz der höheren Kostenbeteiligung spart er unter dem Strich. Rücklage empfohlen.
Beispiel 3: Seniorin, 67 Jahre, chronisch krank
Jährliche Gesundheitskosten: ca. CHF 8'000 (regelmässige Arztbesuche, Medikamente). Prämienersparnis bei Franchise 2'500: CHF 1'560/Jahr.
Empfehlung: Franchise CHF 300. Die tiefe Franchise spart CHF 640 pro Jahr gegenüber der höchsten Stufe.
8. Die richtige Franchise-Strategie
Gesund und jung?
Wählen Sie CHF 2'500. Legen Sie die Prämienersparnis als Notreserve beiseite. Statistisch werden Sie die Grundversicherung kaum beanspruchen.
Mittleres Risiko?
CHF 1'000 oder CHF 1'500 bieten einen guten Kompromiss zwischen Prämienersparnis und Kostenrisiko. Ideal für Personen ab 40 Jahren.
Chronisch krank?
CHF 300 ist die beste Wahl, wenn Sie regelmässig hohe Gesundheitskosten haben. Die tiefe Prämienersparnis rechtfertigt das höhere Risiko nicht.
Für Kinder?
CHF 0 oder CHF 100. Kinder gehen häufig zum Arzt, und die Prämienersparnis bei höheren Kinderfranchisen ist minimal.
9. Franchise ändern — so geht es
Die Franchise können Sie in zwei Situationen ändern:
Bei Ihrer aktuellen Kasse: Teilen Sie Ihrer Kasse schriftlich mit, dass Sie die Franchise per 1. Januar ändern möchten. Die Mitteilung muss in der Regel bis zum 30. November eingehen. Informieren Sie sich bei Ihrer Kasse über die genauen Fristen.
Beim Kassenwechsel: Wenn Sie die Kasse wechseln, können Sie gleichzeitig eine neue Franchise wählen. Kündigen Sie bis zum 30. November und wählen Sie bei der neuen Kasse die gewünschte Franchise.
Eine unterjährige Änderung der Franchise ist nicht möglich. Die gewählte Stufe gilt für das gesamte Kalenderjahr. Planen Sie daher im Herbst vorausschauend für das kommende Jahr.
10. Häufige Fehler vermeiden
- Keine Rücklage bilden: Wer die höchste Franchise wählt, sollte CHF 2'500 als Notreserve haben. Ohne Rücklage kann ein unerwarteter Arztbesuch zum finanziellen Problem werden.
- Nicht jährlich überprüfen: Ihre Gesundheitssituation kann sich ändern. Prüfen Sie jedes Jahr, ob Ihre aktuelle Franchise noch optimal ist.
- Franchise und Prämie getrennt betrachten: Vergleichen Sie immer die Gesamtkosten: Prämie + erwartete Kostenbeteiligung. Die günstigste Prämie ist nicht automatisch die günstigste Option.
- Kinderfranchise zu hoch wählen: Die Prämienersparnis bei Kindern ist gering. Wählen Sie für Kinder CHF 0 oder maximal CHF 100.
- Versicherungsmodell vergessen: Die Franchise ist nur eine Stellschraube. Kombinieren Sie sie mit einem günstigen Versicherungsmodell (HMO, Telmed) für maximale Ersparnis.
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